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ASYC - die Apollonia Sailing Yacht Crew!

Coppercoat (Kalamata, April 2017)

Nach etlichen Jahren teuer Kranen, Schleifen, Antifouling auftragen (weich, später hart), nur um während der Saison festzustellen , dass trotz allem Bewuchs und Seepocken speziell an der Wasserlinie entstehen und beim Entfernen dieser unerwünschten Mikroorganismen mit Schwamm oder Scraper auch das für den Yachtsport vorgeschriebene, gering wirksame Antifouling abreibt, kam heuer Coppercoat, basierend auf Epoxy mit viel Kupferpulver auf das Unterwasserschiff.

Bereits vor einigen Jahren hatte ich die alten Farbschichten bis auf das Gelcoat abgetragen und den Rumpf mit zwei Lagen Epoxyprimer behandelt, was nicht nötig gewesen wäre, hätte ich gleich Coppercoat aufgetragen. Ich wusste damals noch wenig darüber und wollte konventionell vorgehen.

Viele Werften liefern neue Yachten mittlerweile auf Wunsch auch  bereits mit Coppercoat als Schutz-und Sperrschicht aus!

Coppercoat verbindet perfekt mit Gelcoat, aber auch mit Epoxyprimer vorbehandelten Rümpfen, da der Kupferanstrich selbst ja auch auf Epoxy basiert. Also muss man das Antifouling abschleifen oder sandstrahlen, bis die Epoxyschicht oder das Gelcoat sichtbar wird, danach spülen und trocknen.

Eine gute Vorbereitung ist absolut wichtig, die Oberfläche muss staubfrei und bar jeder Reste früheren Antifoulings sein. Metallische Teile wie Wellenlagerbock, Ruderlager und Rumpfdurchlässe, auch aus Kunststoff, (GFK Seeventile) sollten vor dem Auftrag allerdings mit 3 Schichten Epoxyprimer vorbehandelt werden. Das gleiche gilt für metallene Rümpfe, um galvanische Korrosion zu vermeiden.

Welle und Propeller sollen nicht mit Coppercoat behandelt werden. Diese habe ich konventionell vorbehandelt, fein geschliffen und mit 4 Schichten Hartantifouling gestrichen.

Der Kupferanstrich selbst soll dann „nass in nass“ erfolgen, was je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit unterschiedliche Trockenzeiten erfordert, auch die Vorbereitung des Anstrichs sollte immer nur in einem Set erfolgen, da die Topfzeit ebenso den Umgebungsbedingungen entspricht.

Für mein Schiff (12m) habe ich 12 Sets (Kosten á ca. 100€) vorgesehen, und jeweils ein Set aus Resin, Härter und Kupferpulver immer so vorbereitet, dass zwei Männer jeweils eine Rumpfseite mit Mohaire- Rollern behandeln konnten. Das Auftragen dauerte so etwa 30-45 Minuten pro Schicht, nach einer Stunde konnte bei sonnigen 20° mit leichter Seebrise bereits die nächste aufgetragen werden. Drückt man mit der Fingerspitze an die Oberfläche und es entsteht ein Abdruck ohne Rückstand am Finger, ist die nächste Schicht fällig.

Zu frühes Überstreichen würde die zuvor aufgetragene Schicht wieder ablösen, außerdem darf man nicht nervös werden, wenn die ersten Schichten nicht abdecken und hässlich aussehen, es wird erst ab der dritten Schicht einigermaßen deckend und viele dünne Schichten sind für das Gesamtergebnis am Besten. Auf diese Weise konnte ich fünf Schichten und eine sechste an der Wasserlinie und am Ruderblatt innerhalb von etwa 7 Stunden mit insgesamt 3 Mann im Dienst durchführen.

Nach weiteren zwei bis drei Stunden sollte dann auch das Begrenzungs -Klebeband abgezogen werden, damit dieses nicht zu fest mit dem aushärtenden Epoxid auf dem Rumpf verbindet.

Der Tag, an dem die Behandlung erfolgt, ist natürlich sorgfältig gemäß den Witterungsbedingungen zu wählen, da fünf bis sechs Tage Trockenzeit einzukalkulieren sind. Nach etwa zwei Tagen ist das Coppercoat aber bereits zu 90% ausgehärtet, Regenschauer oder feuchte Luft können ihm nichts mehr anhaben.

Nach vollem Aushärten muss die Oberfläche des neuen Coppercoats mit 400er Papier angeschliffen werden, um eine rasche Oxydation des im Resin gebundenen Kupfers durch Kontakt mit Seewasser zu ermöglichen. Die oberflächliche Oxydation setzt sich dann gleichmäßig innerhalb der äußeren Schicht fort und die Oberfläche wird bläulich grün (wie z.B. die Edelpatina der Kuppel der Karlskirche)

Das im Wasser entstehende Kupferoxid wirkt als Antifouling.

Die Stützflächen und die Kielunterseite müssen jetzt natürlich auch behandelt werden, dazu ist es ratsam, einen guten Kontakt zur Werft, die den Kran betreibt, zu haben, um die Yacht nicht umsetzen zu müssen, was die Arbeiten an der Kielunterseite ja auch nicht wirklich ermöglichen würde.

Meine Apollonia II wurde daher an einem Freitag als letztes Schiff gekrant und über das Wochenende auf dem Tieflader stehen gelassen und zusätzlich an den Gurten des Travellifts gesichert. Ich konnte auch an Bord  schlafen und hatte ein ebenso sicheres Gefühl dabei, wie am Lagerbock an Land.
Freitag mittags wurden dann die Stützflächen und die Kielunterseite geschliffen und mit dem verbliebenen 12. Set Coppercoat sechs mal gestrichen. Um 16:00 waren wir fertig.
Die etwa 70 Stunden Trockenzeit bis zum Anschleifen dieser Flächen und dem Launch am Montag Vormittag reichten für ein komplettes Aushärten der Verhältnismässig kleinen Flächen.

Der wesentliche Vorteil besteht nun darin, dass die Yacht über viele Jahre im Wasser bleiben kann und nicht zwecks Reinigung und Erneuerung des Antifoulings gekrant werden muss. Die Oberfläche des Coppercoats kann auch unter Wasser gereinigt, gebürstet, und auch wieder  angeschliffen werden, wobei die Kosten für den Taucher nur einen Bruchteil der  Gebühren für das Kranen betragen und man selbst bei  jeder Gelegenheit den Rumpf, speziell an der Wasserlinie, reinigen kann, ohne Substanz zu verlieren. Und nach vielen Jahren im Wasser genügt ein Lifting mit Hochdruckreinigung und erneutem Anschleifen der Oberfläche, wonach die Yacht sofort wieder ins Wasser kann.

Ich hatte die 48kg schwere  Coppercoat-Lieferung  bereits im Winter bei Michael Fleiss Yachtzubehör in Bamberg bestellt, der mich vor und während der Arbeiten mit Anleitungen und Ratschlägen bestens versorgt hat, und auch den Versand per Spedition nach Griechenland optimal koordiniert hat. Das Material sollte ja auch nicht unter 0°C gelagert werden, was im vergangen Winter nicht ganz so einfach war.

Altes "Coppercoat" wie zur Zeit der Teeclipper im 18. Jhdt.