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ASYC - die Apollonia Sailing Yacht Crew!

Gülle-Hülle oder: Das Kettensägenmassaker

Über Sinn und Unsinn eines Holding Tanks.  (Kalamata, Mai 2018)

Vierzehn Jahre, also die bisherige Dauer meiner Eignerschaft hat es gedauert, bis ich endlich meinen sich durch Schwerkraft entleerenden Holding-Tank ausgebaut und entsorgt habe. Wenn das Ablassventil für 2-3 Tage in Bucht oder Hafen geschlossen war, und Schwebstoffe durch ebendiese Schwerkraft absanken und trotz Einbau eines E-WCs (siehe Elektrischer Stuhl) eine Verstopfung des Auslasses verursachten, war spätestens im nächsten Hafen oder Bucht, wo man frühestens auf das Malheur aufmerksam wurde, wieder einmal ein Tauchgang mit langem Kabel oder Relingdraht zum Durchstochern fällig.  Was den Einsatz eines solchen Tanks meiner Meinung nach ad absurdum führt, zumal dann der gesamte Inhalt auf einmal in die eigentlich zu schützenden Gewässer abläuft, ganz abgesehen vom eher geringen Unterhaltungswert dieser immer wieder nötigen Gülletauchgänge.

Die Entleerung funktionierte immer dann problemlos, wenn diese nicht allzu lange Zeit nach Benutzung stattfand, oder nach Verlassen des Hafens oder Bucht gleich präventiv der Ablauf freigelegt wurde, was in den seltensten Fällen wirklich möglich ist, will man nicht im Seegang vom eigenen Schiffsrumpf erschlagen werden. Im Laufe der Jahre entwickelten wir eine fast schon paranoide Sensibilität für den Holding Tank: Eine Entleerung fand sich durch das Sauggeräusch des Entlüftungsventils, bei neuerlicher Benutzung durch das hohle Plätschern bestätigt. Immer häufiger gingen wir aber dazu über, das Ablaufventil geöffnet zu halten, um erst gar keine Verstopfung zuzulassen.

Es erübrigt sich zu erwähnen, dass bei uns selbstverständlich kein Papier o.ä. in die Toilette kommt.

Da eine minimalinvasive Modifikation durch erst seit Kurzem verfügbare Werkzeuge möglich war und ich trotz aller Unbilden noch immer an die Sinnhaftigkeit eines Fäkalientanks glaubte, habe ich mit dem ultimativen Rausschmiss so lange gezögert und zuvor folgende Gedanken dazu entwickelt:

Die Biomasse mariner Lebensformen übersteigt jene der Seefahrer noch immer bei Weitem, die Fische selbst kacken auch ins Meer, mehr noch, sie fressen unsere Ausscheidungen meist noch ehe sie den Meeresgrund erreichten, wo sie von Muscheln, Garnelen u.v.m. verarbeitet würden.

Ich segle zu 98% zu zweit mit meiner Frau, die Menge an Abwässern ist marginal, es macht die schiere Masse in überfüllten Buchten, die diese (meist trotz installierter Tanks!) verunreinigen.

Segelte ich auf einem 470er, Kielzugvogel, Shark o.ä., müsste ich auch auf die Pütz und ab damit ins Meer.

Und jetzt kommt‘s:  ALLE von mir befragten Yachties haben ähnliche Probleme mit den Holding Tanks und schütten Domestos, Chlor, oder gar Salzsäure in die zu Reinigungszwecken meist unzugänglichen Abwasserbehälter, um diese sauber zu halten, und/oder verwenden die Bypass-Schaltung, um die Tanks erst gar nicht zu benutzen! Macht das Sinn? Schont das die Gewässer? Ich selbst habe gelegentlich Essig oder lebensmittelechte Zitronensäure zum Spülen des Schwarzwassertanks benutzt, was diesen zwar reinigte, aber das Verstopfen durch die Schwerkraft in Folge Benutzung auch wieder nicht verhinderte. Und wer je den Kurs eines Kreuzfahrtschiffes kreuzte, das gerade seine Tanks leerte, der weiß, was Verunreinigung der See bedeutet, weil da ist wirklich alles drin.

Das folgende Kettensägenmassaker war nötig, um den auf den ersten Blick leicht auszubauenden Holding Tank heraus zu bekommen. Mein Tank hatte links oben Einlass und Entlüftung, geführt durch die Öffnung in einer Schottwand, die nach oben vergrössert werden musste, um den Tank später anheben und über einen Sockel der Innenschale, worüber ein Kasten sitzt, nach rechts zu rücken.

Das wäre aus Platzgründen mit einer Stichsäge unmöglich gewesen, so suchte und fand ich die Bosch Nanoblade Minikettensäge, mit der man selbst in Ecken durch dicke, anlaminierte Holzwände fräsen kann, und beim Durchschneiden den Druck so dosieren kann, dass man nicht zwangsläufig in Kabel und Schläuche schneidet, die hinter Schottwand oder Kastenkorpus liegen.

Offensichtlich wurde werftseitig zuerst der Tank eingebaut, dann  durch einen begnadeten Schiffszimmermann ein für maximale Platzausbeute asymmetrisch gestalteter Kasten rechts davon, den ich, um ihn ausbauen zu können, zersägen musste.

Nachdem ich den vom linken Seitenteil befreiten, zersägten Kasten in drei Teilen ausgebaut hatte, machte ich mich an die Ausschnittsvergrösserung der Schottwand, gerade so hoch, um den Tank anheben und über den Sockel der Innenschale nach rechts schieben und dann heraus heben zu können.

Danach habe ich den Schrank mit Holzplatten und Zündhölzern in Stärke des Sägespalts als Distanzstücke wieder verschraubt und eingebaut, sowie die Rückwand verleimt und mit Winkelstücken verspannt. Den Sägeschnitt hatte ich vorsorglich in der Höhe des oberen Einlagebodens gesetzt, damit dieser nach dem Zusammenbau nicht mehr zu sehen ist.

Anstelle des Holding Tanks habe ich einen Schlauchbogen gelegt, der dem Volumen nach eine komplette Spülung ohne primärer Abwasseransaugung gewährleistet.

Insgesamt betrachtet, war dies die minimalinvasivste Art der Modifikation, hat aber mit allen Überlegungen und Vorbereitungen dann doch insgesamt drei Tage beansprucht.

Der zuvor gar nicht erwogene Zugewinn an Stauraum für Ersatzteilboxen stellt einen zusätzlichen Vorteil dar, und sollte in den von mir bevorzugten Segelrevieren ein Holding Tank gesetzlich vorgeschrieben werden, baue ich mir einfach einen kleineren, leicht zu wartenden Tank ein.

Fazit: Würden Yachtdesigner selber mit ihren Konstruktionen leben müssen, gäbe es bestimmt weit bessere Ansätze als die üblichen verbreiteten Pseudolösungen, wobei speziell im Serienyachtbau noch erheblich grössere Unbilden beim Ausbau von Schwarzwassertanks in Kauf zu nehmen sind, da oftmals sogar Sitzbänke und Innenschalen zersägt werden müssen, wie mir Lupo, Betreiber des spezialisierten Unternehmens „Top Tank“ in Korfu in vielen Beispielen auseinandergesetzt hat.