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ASYC - die Apollonia Sailing Yacht Crew!

Potz Blitz oder: Wie Apollonia II zur Bordhymne kam. (2005)

Meine erste Segelsaison auf eigenem Kiel. Ich lag im Juli 2005 zwischen den Inseln Borovnjak Veli und Mali nahe Zirje mit Gästen an Bord vor Anker, als nachts plötzlich heftiges Gewitter einsetzte und um 01:20 ein Blitz in das Masttop meiner Apollonia II einschlug.

Um sicher zu liegen, wählte ich einen Ankerplatz fernab der engliegenden Bojen, vor allem, da eventuell mit drehendem Wind zu rechnen war. Auf 7m Tiefe, mit genügend Kette, liegt man zwischen den Borovnjak Inseln absolut sicher, und wenn’s dort haarig wird, findet man rasch eine alternative Bucht oder Leeküste, wo man ebenso gut ankern kann.

Um es gleich vorwegzunehmen: ein Loch im Rumpf, wie so oft behauptet, gab es nicht. Wie denn auch, mit 8mm Niro Kette vor Anker, 35mm Propellerwelle und einer Erdungsplatte am Kiel, die mit fingerdicken Kabeln die Püttingbeschläge und damit Wanten und Mast erden bzw. wassern.

Aber wahrscheinlich bin ich der einzige Segler, der den Einschlag in sein Masttop beobachten durfte, da ich am Weg zur Toilette durch Schiebeluk und Windschutzscheibe in dem Moment nach oben blickte, als ein orangefarbener Funkenregen einem gewaltigen Zischen folgte, während die Leuchtdioden des Schaltpanels am Navitisch wie Minikracher zerplatzten und zugleich Teile von oben kamen. Es rauchte und stank nach abgebrannter Elektronik, worauf ich den Handfeuerlöscher beim Niedergang zurechtlegte und hoffte, ihn nicht benutzen zu müssen. Nach Öffnen des Paneels fand ich die Rückmeldungsplatine und etliche Kabel verkohlt vor, einige Sicherungen waren gefallen, aber glücklicherweise kein Kabelbrand und damit keine unmittelbare Gefahr mehr für Crew und Schiff.

Die abgerauchten Bauteile auf der Rückmeldungsplatine.

Blitzableiter vermögen einen Grossteil der Energie abzuleiten, aber etliche KV Spannungsabfall erzeugen Überschläge durch Leitungen der Windmessanlage, Stromversorgung und Antennen durch den Mast in Kontrollpaneel und Geräte, wo Leuchtdioden, Kabel, Sicherungen und Verteilerplatinen in Rauch aufgehen und über Datenleitungen verbundenen Geräte durch Überspannung mit zerstört werden. Reste des Anemometers und geschmolzenes Kupfer fand ich morgens am Vorschiff.
Der entstandene Schaden war erheblich: Neben Topplicht, UKW Antenne, Anemometer samt Mastverkabelung, waren UKW-Funk, GPS samt Antenne und Display, Echolot, Windlupe Speedometer, Sumlog, Navtex, Autopilot samt Steuerungscomputer, Radar samt Antenne, Kartenplotter, Schaltpaneel, Kühlschranksteuereinheit, Radio, Landstromladegerät, und Regelung  des Windgenerators ausgefallen.

Alles neu, Kabel, Geber, Instrumente u.v.m.

Die Batterien erwiesen sich als OK, ich konnte den Motor starten, Ankerwinde, Pumpen sowie Innenbeleuchtung sind bei dem Ereignis unbeschädigt geblieben, ich konnte am Morgen darauf an meinen Liegeplatz zurückkehren, wo ich umgehend die Versicherung YachtPool kontaktierte, die den Schaden unbürokratisch und zuvorkommend abwickelte.

Zuvor segelte ich bereits etwa achtzehn Jahre, teils als Gast, teils als Charterskipper oder auch auf meines Vaters Boot, wir wetterten Hagelstürme und Gewitter ab und hatten nie einen Blitzschlag. Vergleicht man die Höhe des Mastes mit den Höhen der Inseln oder die Distanzen am Wasser selbst, eine Ladung sucht sich als Blitz den kürzesten Weg und geringsten Widerstand, so ist es schon ein ausserordentlich blöder Zufall, wenn es einen selber erwischt.

Ach ja, unsere neue Bordhymne seit damals: Thunderstruck von ACDC

Alle Instrumente neu im Jahr 2005