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ASYC - die Apollonia Sailing Yacht Crew!

Starter Kabelbrand im Maschinenraum (2007)

Frühjahr 2007, wieder auf See. Ziel Grado, Kurztörn mit Freunden nach Venedig geplant. Wir geniessen unseren Törn von Vodice in die Nordadria. Jetzt kann uns nichts mehr passieren. Blitzschlag und gebrochenes Seeventil hatten wir ja schon. Alles neu, gewartet und OK.

Wir segeln morgens mit Ziel Umag an Pula vorbei, als der Wind einschläft. Die Dünung lässt die Segel killen, der Baum ruckt in die Talje ein, ich frage mich, wie das Atlantiküberquerer nervlich aushalten, starte die Maschine und hole zugleich die killenden Segel dicht, während Ute unser Schiff auf Kurs bringt. Ihr fällt das eigenartige Geräusch auch sofort auf, während mir noch die killenden Segel und das knallende Rigg alles übertönt.

Während sich bereits Brandgeruch breit macht, stoppen wir die Maschine und als ich die Motorverkleidung wegnehme, schlagen mir schon Flammen entgegen. Geistesgegenwärtig hat Ute schon den 12Kg Nasslöscher, den wir seit unserem Blitzeinschlag zusätzlich unter dem Steuermannssitz mitführen, hervorgeholt und mir über den Niedergang angereicht. Ich reisse die Sicherung ab und drücke zwei-bis dreimal ab. Nur nicht zu viel auf einmal. Schnappe Luft, öffne Seitenluken. Es kokelt und ein paar vereinzelte Flammen sind noch am Kabelbaum. Pfschssst- drüber mit Schaum, Brand aus. Schwarze Flankerl sind im Schiffsinneren. Im weissen Spülbecken sieht man den Outfall. Maschine starten ist nicht mehr. Der Hauptkabelbaum ist zu einer kompakten Masse verschmort, da der Starter offenbar hängengeblieben war und der hohe Induktionsstrom die Starterkabel zum Glühen gebracht haben musste, was, wie ich herausfand, relativ rasch abläuft.

Jetzt dümpeln wir ohne Wind, mit Dünung ca. 10 sm vor Pula. Am Funk um Schlepphilfe ersuchend, meldet sich keiner, obwohl ein paar Schiffe in Sicht und unqualifiziertes Trimmklappen-Gesabbel auf Kanal 16 gut hörbar war. Plötzlich scheinen sich die an die Gepflogenheiten zu erinnern, halten Funkstille, antworten aber auch nicht. Echt nicht schlecht so‘n UKW.

Gegen Mittag setzt Thermik ein und ich versuche nach Veruda zu kreuzen, nachdem ich sicher nicht bei kaum Wind zickzack nach Pula zu kreuzen versuche. (Wer das kennt, weiß warum). Mobiltelefone gibt es schon, und Marina Veruda bietet mir ab der Tankstelle Schlepphilfe mit einem Marinaboot an.

Vor der Tankstelle rolle ich die Genua weg und segle mit Groß langsam auf und ab, während ich nochmals die Marina anrufe und mitteile, der Dödel, der hier mit Segel vor der Tanke herumgurkt, bin ich. Kann die Maschine nicht starten, bitte um Liegeplatz mit Schlepphilfe.

Gleich darauf kommt ein kleines Boot der Marina Veruda mit Tomos Aussenborder und schleppt uns zum ersten Steg, wo die großen Pötte liegen und bugsiert uns so, dass wir da festmachen können.

Neben uns liegt eine Shipman 63, am Ende des Kais die SY Galatea, und unsere Gangway liegt im 45° Winkel auf der Pier! Hier sind wir in guter Gesellschaft und würden den erzwungenen Aufenthalt sogar genießen, wenn wir nicht die Verabredung in Grado hätten und dadurch doch etwas unter Zeitdruck stehen.

Warum der Starter bei nur 909 Betriebsstunden unserer Yanmar Maschine diesen folgenreichen, teuren Kurzschluss verursachen konnte, bleibt mir bis zum heutigen Tage unerklärlich, zumal ich vor meiner Eignerschaft mit etlichen, wesentlich älteren Schiffen, Chartertörns ohne derartige Zwischenfälle unternommen hatte.

Reparatur und Reinigung kosten uns drei Tage, strapazieren unsere Bordkasse über Gebühr und bringen uns etwas unter Zeitdruck. Danach segeln wir, soweit es geht nach Norden, motoren in die Nacht hinein bis an die Zollmole Umag, wo wir morgens darauf ausklarieren und unsere Freunde in Grado abholen, um gemeinsam, wie geplant, nach Venedig zu segeln.

Aber das sind ja die so schönen Dinge im Seglerleben, um die uns doch (fast) alle beneiden oder?