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ASYC - die Apollonia Sailing Yacht Crew!

Korfu - Paxoi - Lefkas - Meganissi - Ithaka - Kephallonia - Zakynthos (2012)

Nach mehreren Saisonen mit unserer Apollonia II im Ionischen Meer, zog uns die Lust, Neues zu entdecken, weiter Richtung Süden, mit dem Ziel den Peloponnes zu erkunden. Am Weg dorthin liefen wir aber nochmals unsere Lieblingshäfen und -buchten  auf den 7 Hauptinseln des Ionischen Meeres an, was uns den Abschied nicht leicht machte, da es hier einfach herrlich ist.

Zuvor feierten wir noch Geburtstag in Sagyadha, einem netten Fischerdorf, etwa 15 sm östlich von Gouvia, am nördlichsten Festland an der Grenze zu Albanien gelegen, wohin wir zu sechst mit drei Yachten segelten, um im kleinen Hafen vor Buganker nebeneinander festzumachen, wofür natürlich, wie fast überall in Griechenland, keinerlei Liegegebühren eingehoben werden. Die Einfahrt in den Hafen ist schmal und nur 2m tief, besteht aus Sand und Schlick, der Hafen selbst ist aber auf 3-4m ausgebaggert.

Da wir frische Skampi wollten, gingen wir ins dafür bekannte, gleich am Anfang der Mole gelegene erste Lokal, wo wir vom Wirt auch gleich herzlich begrüßt wurden.
Nach einem Gelage mit 3 Kilo Skampi, handgeschnitzten Pommes wie in früheren Zeiten, drei Portionen Greek Salad, mehreren Litern der empfehlenswerten Weißweinsorten Zitsa und Roditis nebst Wasser und ein paar Bieren, den obligatorischen Baklava und Ouzo für jeden von uns sechsen auf Haus, wollte ich „to logariasmo, paragalo“ die Rechnung begleichen, die unser Wirt am Tisch addierte.
Ungläubig las ich unterm Strich € 126 und dachte, fehlte eine Null, wäre es wohl zu teuer, aber dieser Betrag konnte so doch auch nicht stimmen. Als der Wirt mein nachdenkliches Gesicht bemerkte, sagte er einfach: „just give me 120 Euros, and we are OK!“ Ich konnte es nicht glauben aber  auch nach meiner Rückfrage lachte er und beteuerte, dass er sicher sei, nichts in der Rechnung vergessen zu haben.
In Petriti, SE-Korfu, statteten wir unserem alten Freund Stamatis, 80 Jahre jung, einen Besuch in seiner Taverne ab, wo nun die Flottillen sogar schon an der Außenmole anlegen, was bei hier manchmal plötzlich auftretenden Gewittern mit E-Böen dann nicht nur unangenehm ist, sondern sogar gefährlich werden kann. Aber alle wollen sie den fangfrischen Fisch, den die zahlreichen Fischer hier noch täglich fangen und an die Restaurants liefern, zu den bekannt moderaten Preisen in den ausschließlich guten Tavernen und die hier ursprüngliche und unbeschwerte Lebensart genießen.

Nicht schlecht staunten wir aber, als wir später in Lakka auf der Insel Paxoi, eine Werbetafel für Akis Bar vorfanden, auf deren Panoramabild unsere SY Apollonia II vor Anker liegend, zu sehen ist. Die Aufnahme entstand bei einem unserer zahlreichen Besuche an diesem Ort, irgendwann in einem Frühjahr der letzten Jahre, wo die Häfen und Buchten  tatsächlich noch so leer sind, und auch die Mole am Korso noch von keinen Flottillen und Ausflugsbooten belegt ist.

Natürlich besuchten wir in dieser wunderbaren Bucht wie immer auch Fanis’ Cafe am Kai und danach Nionios’ Restaurant am Dorfplatz, in dem Yannis den Gästen in der Küche alle Speisen zeigt und beschreibt, wie das in der traditionellen Elliniki Kousina eben so üblich ist. Dieser Platz ist für uns einer der schönsten im Ionischen Meer.

Da wir eine Verabredung in Lefkas haben, lassen wir diesmal Preveza an Bb liegen, und steuern den Kanal direkt an, kommen aber gerade, als die Drehbrücke schon wieder geschlossen wird. Ja, eine Segelyacht ist kein Postdampfer, und so gehen wir an Sepp’s SY Stine, die im Kanal schon festgemacht auf uns wartet, längsseits.
Unsere Kurse kreuzten sich das erste Mal im Mai 2006 in Otranto/I, seither segeln wir jede Saison ein Stück des Wegs gemeinsam, dieses Mal bis nach Zakynthos. Die Wartezeit auf die nächste Passage verfliegt in der Wiedersehensfreude im Nu, und wir setzen nach der Kanaldurchfahrt Segel und steuern die Kapali Bay auf Meganissi an, zumal wir Lefkas und die sehenswerte Festung Agia Maura an der Einfahrt zum Kanal bereits im letzten Jahr besichtigt hatten.

Die Kapali Bay, in der man mit Buganker und Landfesten zu Olivenbäumen festmacht, da die Buchtmitte zum ankern zu tief ist, lädt zum Baden und Verweilen ein, es ist der 10. Juni, und nach einem kalten Saisonstart unser erster Badetag!
Abends spazieren wir dann über den Berg nach Vathi, das nun nebst Hafen auch über eine Marina mit Dauerliegeplätzen verfügt, die sehr guten Schutz bietet, und in der unser Freund Klaus von der SY Titlahtin, Gott sei Dank entgegen unserer Empfehlung in der Vlychon zu ankern, im vergangenen Jahr unbeschadet den Nidri-Tornado abgewettert hatte.
Tags darauf wollen wir Richtung Fiskardo auf Kephallonia segeln, aber der Wind kommt eher aus SW und will so gar nicht auf den sonst üblichen NW drehen.
Da nachmittags der Wind meist zulegt, wollen wir uns das kräfteraubende Kreuzen gegen den Schwell aus der offenen See ersparen und segeln doch lieber auf einem Bug nach Vathi auf Ithaka, und legen in Lee der Insel Arkoudia auch gleich Reff 2 in Groß und Genua, was angesichts der mittlerweile 6 Bft und den darauf einsetzenden Fallböen in Landnähe Ithakas auch gut war, wenn man bedenkt, dass wir, nur zu Zweit, mit unseren Kräften haushalten müssen, und lieber ein wenig langsamer, dafür aber stressfrei, unsere Ziele anlaufen.

An der Mole gleich Bb nach der Einfahrt in den großen Naturhafen, ist zwischen SY Stine und einer anderen Langfahrtyacht noch eine Lücke frei. Wir ankern auf ca. 20m, da der Grund hier steil abfällt, was bei dem noch immer 19kn böigen Seitenwind unsere ganze Konzentration erfordert, um dann 3m vor der Mole feststellen zu müssen, dass nun hier die 70m Kette zu Ende ist. Also ein paar Meter näher erneut Anker setzen, nach den vielen Jahren in Griechenland sind wir’s ja schon gewohnt, und dann marschieren wir mit der Stine Crew ins gepflegte Städtchen.  Ein verheerendes Erdbeben zerstörte 1953 fast alle alten und historischen Gebäude, auch auf den anderen Ionischen Inseln. Viele Bewohner wanderten danach aus, die, die blieben, bauten wieder auf, und zwar aus Stahlbeton, erdbebensicher, und an den alten Baustil angepasst. Hier findet man den Beweis, dass man zweckmäßig und dem Land angepasst Bauwerke aus Zement schaffen kann. Ithaka mit seinen zahlreichen Buchten und Häfen wäre einen eigenen Törn wert, ein Muss ist Stavros, wo Odysseus’ Denkmal steht, und das von Polis Cove an der NW Seite Ithakas in etwa 30 Minuten Fußmarsch erreichbar ist.

3 Meilen NWlich von Polis Cove liegt der sehr touristische aber bezaubernde Ort Fiskardo auf Kephallonia, in dem es schwierig ist, einen guten, freien Liegeplatz zu finden. Eine halbe Meile südlich ist eine Bucht, die wie ein Almsee anmutet, und absolute Ruhe nach einem abwechslungsreichen Abend in der quirligen und lauten Altstadt verspricht.
Tags darauf steuern wir gemeinsam Poros an, Wind gibt’s erst am späten Nachmittag, knapp vor der Hafeneinfahrt. Zwischen Ithaka und Kephallonia kann’s auch ganz schön ballern, und wir stellen scherzend fest, dass statistisch gesehen durch die Flautentage immer idealer Wind zum Segeln weht!

Wir wählen einen Ankerplatz nahe der Einfahrt zum Fischerbecken, und führen unsere Achterleinen von unten durch die großen, schweren Ringe, damit wir die Festmacher beim Ablegen auf den Kai werfen, und diese dann, ohne zu bekneifen, über die raue Kante slippen können. Hier haben wir auch Frischwasser, sogar Schläuche liegen bereit, und damit die Yachties auch ungestört an der alten Fährmole liegen können, hat man ein neues Terminal mit KFZ Verladerampe an den östlichen Wellenbrecher gebaut. Wir müssen hier nicht nur nichts bezahlen, es wird uns zu verstehen gegeben, dass wir hier gerne gesehen sind: „Tell all your friends, you sailors are welcome!“ so die Dame vom Supermarkt gegenüber, die mir beim Einkauf gleich Eis für die Sundowner und einen Becher Eiskrem „for your lady“ mit gegeben hat.

Hier halten wir es nicht nur wegen der schönsten Felsenbar im Mittelmeer aus, auch das Preisniveau ist als moderat zu bezeichnen, die Stadt sauber und durchaus sehenswert, was nicht gleich am ersten Blick erkennbar ist. Das Felseninselchen „Ortholithos“, gleich gegenüber der Felsenbar an der Hafeneinfahrt lädt zum Baden ein, und später genehmigen wir uns nach dem Sundowner an Bord hier in der wunderbaren Remezo Felsenbar anschliessend gleich noch einen oder zwei.

Unser nächstes Ziel Agios Nikolaos auf Zakynthos können wir mit Wind aus SW zwar nicht direkt anliegen, doch bei den moderaten 3Bft macht für ein paar Stunden auch Kreuzen Spaß, und wie erhofft dreht der Wind im Tagesverlauf immer weiter auf West und nimmt dabei entsprechend zu.

Aus dem Holebug wurde in einer langgezogenen Kurve Streckbug, immer hart am Wind, zuletzt mit satten 5Bft, und wieder ein Ankermanöver mit Seitenwind. Die elektrische Ankerwinde ist zu langsam für die jetzt notwendige, stramme Achterausfahrt, und somit muss Ute mit dem Öffnen der Nuss und Kette ausrauschen lassen erst so ihre Erfahrung machen. Beim dritten Mal Punktlandung.
Dimitri, der letztes Jahr trotz Haus voll Gästen hier meinen Wassersammler geschweißt hat, und Sepp stehen schon am Kai und helfen bei den Festmachern. Gangway raus, und rüber in die Taverna Porto, Wiedersehensfeier mit Dimitri und seiner Schwester Katharina.

Hier bleiben wir zwei Tage, waschen die Salzkruste ab, essen hervorragend wie immer bei Dimitri, und nehmen Abschied von Sepp und Crew von der SY Stine, die ihren Bug nun wieder nach Norden dreht, wir aber weiter nach Zakynthos segeln. Nachdem wir der freundlichen Einladung der Port Police zum Stempeln und bezahlen nachgekommen sind (ca. 15 Euro für 2 Nächte), segeln wir die 14 sm mit frischem NW  bis vor die Einfahrt, gehen an der alten Steinpier am Korso längsseits, um dann, obwohl wir gewarnt wurden, in die Agentenfalle zu tappen. Schon während des Anlegens stand dieser offiziell aussehende Mann mit Block und Stift am Kai, begann das bekannte Meldeformular auszufüllen, und nahm mir 30 Euro für 2 Tage im Voraus ab. Die Situation rief Erinnerungen an Kroatien wach. Der mit Flaggen und Emblem verzierte Typ meinte, bevor wir wieder ablegen, erledigt er den Papierkram. Das tat ich dann selber, nachdem ich entschied, eine Woche hier zu bleiben, und feststellte, dass der nur Agent ist, und wir im öffentlichen Teil des Hafens direkt bei der Port Police die üblichen € 7,50 pro Tag selbst entrichten können. Der Agent hat nämlich außerhalb des Yachtkais nichts zu melden. Nachdem er von mir nun schon seine „Provision“ hatte, versuchte er es bei einer anderen Yacht, deren Eigner von mir schon aufgeklärt war, und den Agenten abwies. Dieser drohte mit dem Ruf nach der Coast Guard, trollte sich aber, nachdem der andere Österreicher ihm antwortete: „prima, dann erspare ich mir den Weg dorthin, sie anzuzeigen“. Gerne wird der Gang ins Hafenbüro aber auch „vergessen“, wenn man keinen persönlichen Besuch eines Beamten der Hellenic Coast Guard bekommt, die ausschließlich für diese Abwicklung zuständig ist. Niemandem sonst sollte man jemals seine Papiere aushändigen. Verglichen mit dem Nepp, der sonst im Mittelmeere herrscht, sind diese zaghaften Versuche ein wenig zu verdienen aber eher amüsant als ärgerlich.

Die Klischeefotos der Kutschen am Kai vor unseren Masten müssen einfach sein, die Stadt ist laut und geschäftig, aber man fühlt sich auch hier überall willkommen, und wir genießen die Woche Urlaub hier, nachdem wir die 155 sm von Korfu bis Zante in sieben Tagen mit sieben Stops auf sieben Inseln zurückgelegt haben, und sehen sogar 2 große Karettschildkröten in der naturgeschützten Laganabucht bei Agios Sostis. Obwohl ich die Festmacher und Springleinen mit Insektizid besprüht habe, hatten wir eines Morgens eine Riesenkakerlake in der Plicht, die es gottlob nicht übers Niedergangssüll geschafft hatte, und auf schwungvolle Weise den Weg ins Hafenbecken fand.

Dort, wo Gräser zwischen den alten Steinen der Mole wachsen, wuseln nachts diese übel beleumundeten, 5cm großen Insekten in den Ritzen. Gut, dass wir immer alle Luken, auch den Niedergang, nachts mit Insektengittern versehen haben! Nach diesen Ausflügen ins terrestrische Leben setzen wir im Hafen das Groß und segeln hinaus, vorbei an Fähren und Frachtern, und gleich nach der Einfahrt die Genua dazu.

Zante - Katakolon - Voidokoillia - Navarino - Methoni - Koroni - Kalamata - Porto Kayo (2012)

Die knapp 25 sm von Zante nach Katakolon segeln wir auf Raumschotkurs mit 4Bft aus NW, bis vor der Küste der Wind abflaut und wir die letzten Meilen motoren. Ein Kreuzfahrtschiff hat eben an der Mittelmole festgemacht, ein anderes lief gerade aus, und im Hafen hat es eine Luft wie in der Tiefgarage eines Einkaufszentrums.

Die Abgase dieser Touristenschleuder werden um jene der am Frachtkai mit laufenden Motoren wartenden, rund dreißig vollklimatisierten Reisebussen ergänzt. Wie schön muss es wohl sein, zusammen mit zweitausend Landratten Olympia zu besuchen. Wir drehen um unseren Kiel und gehen in der weitläufigen Katakolon Bucht vor Anker. Hier ist es zwar ruhiger und ohne Qualm, dafür sind wir von tausenden Riesenquallen, Kadavern und Küchenabfällen umgeben, Abfälle der Dreckschleuder, die vor einer Stunde auslief, die durch Strömung in die Bucht gespült wurden. Warum diese respektlose Art des Reisens so viele fasziniert, liegt vermutlich an der schieren Größe, die manche beeindruckt. So werden Massen auf See gekarrt, die sich um diese sonst überhaupt nicht scheren, geschweige denn, sich für sie interessieren. Nach dieser Abrechnung mit Großmannssucht und Massentourismus verzichten wir auf Olympia und verlassen diesen Ort schleunigst, denn wir haben ja Gott sei Dank die Wahl zu bleiben, wo es uns gefällt, und abzuhauen, wenn es uns stinkt. Wir haben Lust auf einen ruhigen, sauberen und idyllischen Ankerplatz, deshalb lassen wir auch Kiparissia an Bb liegen und nehmen nach dem Protis Stenon Kurs auf die legendäre Voidokoillia Bucht, in die wir auch einlaufen, aber nach einer kleinen Runde wieder verlassen. Wir wollen das Idyll nicht stören, außerdem wäre unser Schwojradius grenzwertig, und Übernachten bei W-NW Wind absolut nicht ratsam.

Die ganze Schönheit dieser Bucht, die als Wahrzeichen für die unberührte Schönheit Messeniens steht, erschließt sich dem Betrachter von oben, wenn man auf die Festung Palaiokastro steigt. Von hier überblickt man den Naturpark mit Salzsee und Dünen, die an Ostseestrände erinnern, die Navarino Bay, in deren NW Teil wir vor Anker liegen, und das Südionische Meer.

Eine beeindruckendere und vielfältigere Landschaft findet man kaum und das Meer ist sauber und artenreich. Hier sind keine Kreuzfahrer! Die Bucht von Navarino, an deren SE- Seite Pylos liegt, durchmisst etwa 2 sm, und ist großteils von flach abfallenden Sandstränden umsäumt, wo jeder Anker gut hält. Wir haben im NW-Teil auf gut 6m Tiefe Anker gesetzt und sind ¼ sm vom Strand entfernt, und können mit dem Beiboot an mehreren Stellen gut anlanden, um dann zum Palaiokastro und zur Voidokoillia Bucht gelangen zu können.

Im NE der Bucht sind Tavernen, vor denen ein paar Yachten ankern. Noch selten waren wir an derart einsamen, ruhigen, und überwältigend schönen Gestaden. Der NW Wind bläst verstärkt durch den Sykhias Steno, der Sfaktiria, die westliche Insel der Bucht, vom Festland trennt. Da man diesen Kanal durchwaten könnte, steht hier aber kein Schwell herein, und man hat trotzdem Blick hinaus auf die offene See. Hier verbringen wir zwei grandiose Sternennächte, ehe wir bei moderatem NW aus der Bucht segeln, vorbei am Inselchen Pylos vor der gleichnamigen Stadt, wo am 20.10.1827 die gesamte, einen Hinterhalt bildende türkische Flotte von den an der Zahl unterlegenen alliierten Europäern unter Sir Codrington in den Grund gebohrt wurde. Um die See­schlacht bei Navarino ranken sich zahlreiche Legenden und Anekdoten, viel Interessantes dazu findet man im Internet.

Die wenigen Seemeilen nach Methoni fühlen sich an wie im Knobelbecher, der Wind hat nachgelassen, aber die Dünung aus NW bleibt, und wird durch die enormen Tiefenunterschiede noch verstärkt. Ich nehme die Großschot dicht, weil mir Segel und Rigg leid tun, rolle die Genua weg und starte die Maschine. Manchmal muss man motorsegeln. So bekommen wir wieder Stabilität ins Groß und geigen weniger. In gebührlichem Abstand vor dem Kap Sakkouli mit dem berühmten türkischen Turm luven wir, den Kapeffekt nutzend, unter Groß in die weitläufige Bucht von Methoni, und finden gleich guten Ankerplatz auf 3m, nicht weit vom Fischerkai, der sich ideal zum Anlanden mit dem Dingi eignet.

Wie an vielen Orten des Peloponnes, ist hier keine für Yachten geeignete Mole zum Anlegen vorhanden. Meist findet man aus Felsen aufgehäufte Wellenbrecher mit betonierten Stegen an deren Innenseiten, an denen kleine Fischerboote liegen, für die geringe Tiefen ausreichend sind. So liegen wir zwischen einigen anderen Yachten auf Reede, genießen die Ruhe und das glasklare türkisblaue Wasser, in das wir vom Bug hineinköpfeln. Auch unser Radierer kommt wieder regelmäßig zum Einsatz. An der Fischermole lade ich die Einkäufe aus dem Wagen des Carrefour Supermarkts ins Gummimoped  und bringe alles gleich zu unserer SY Apollonia II, damit in der sengenden Sonne nichts verdirbt. Eiskaltes Belohnungsbier für’s Einkaufen hole ich mir gleich darauf in der maritim gestalteten Hafenbar mit Blick auf Turm und Festung, die wir am nächsten Morgen zeitig in der früh besichtigen wollen, da Ende Juni hier die Tagestemperaturen schon bei weit über 30° liegen, und die Sonne ganz schön stechen kann.

In den türkischen Turm und in die byzantinische Festungsanlage mit interessanten Nebengebäuden gelangt man über mehrere Tore und Wege, die allesamt frei zugänglich sind, und so mancher Gang lädt zu weiterer Erkundung ein und mündet auf der vom Festungsgraben getrennten Bastei. Dieser historische Ort am südwestlichen Zipfel des Peloponnes, von dem einst die Venezianer die Handelsrouten zwischen Orient und Okzident kontrollierten, lädt nicht nur Architekten und Historiker zum verweilen ein.

Wir segeln weiter mit raumem Wind, vorbei an der Insel Schiza, auf das Kap Akritas zu, das wir in gebührlichem Abstand und mit dem Inselchen Venetiko an Stb runden. In diesem schmalen Kanal setzt der frische NW kurz aus, wir rollen Genua weg und motoren eine Meile, als uns ein Franzose am Wind und zweifach gerefft entgegensegelt, in den Messenischen Golf. Unser Windmesser zeigt noch einen Knoten, um nach dem Kap auf bis zu 23kn zuzulegen. Bei diesem Halbwind setzen wir 2/3 Genua zum Groß und fliegen nach Koroni, wo wir auf möglichst flachem Grund ohne Felsbrocken ankern. Nahe des Wellenbrechers, wo die großen Steine liegen, kann die Kette beim Schwojen leicht unklar kommen, zumal hier bis am späten Abend noch heftige Böen einfallen, was uns zum Verbleiben an Bord veranlasst, um nicht pitschnass mit dem Beiboot anlanden zu müssen. Koroni, neben Methoni damals das zweite Auge der Venezianer, ist jedoch nicht minder sehenswert und zahlreiche Tavernen säumen die Promenade. Die steilen Felsabbrüche im NW der Bucht kontrastieren mit dem Stadtpanorama. Die Landschaft hier am Peloponnes ist insgesamt archaischer als im Nordionischen Meer oder in der Ägäis und wirkt durch die hohen, bizarren Formationen wie im Taygetos Gebirge und entlang der Halbinsel Mani, die den Golf von Messenien nach Osten begrenzt, teilweise sogar bedrohlich. Die herbe Schönheit dieses Reviers erschließt sich dem Segler nicht sofort, man muss sie sich erst erarbeiten, dafür Zeit nehmen. Wind und Wetter werden nicht nur durch die Wetterlage im Südionischen Meer, der Libyschen See und der Ägäis bestimmt, sondern auch durch die umliegenden, bis 2400m hohen Berge. Der Golf, dessen Namensgeber in der Antike auch Messina in Italien besiedelten, woher auch die Namensgleichheit rührt, ist auch für sich schon ein sehr interessantes Segelrevier, in dessen nördlichem Teil ab Mittag beständiger Südwind weht, mit dem wir auch gut nach Kalamata weitersegeln können. Kennt man die Hafeneinfahrt der Marina noch nicht, sollte man die Ankunft nicht unbedingt für die späten Nachmittagstunden planen, wo bis zu 5Bft wehen können. Durch den auflandigen Wind steht nämlich auch Schwell in die Einfahrt und man hält auf den Wellenbrecher zu, dessen Bb-Kopf vom Stb-Kopf überragt wird, und den man quasi im letzten Moment nach Stb rundet. Wir manövrieren wieder einmal mit Seitenwind im Rigg achteraus an den Transitsteg und freuen uns über die relativ sauberen und gut dimensionierten Mooringleinen. Die Marineiros sind hier überaus kompetent und freundlich. Sie erkennen auch, dass ich mit meinem starken Bb-Radeffekt bei zusätzlich Wind aus Stb anders als sonst üblich zur Achterausfahrt ansetzen muss. Sie haben selber viel Erfahrung und Ahnung von Seemannschaft und Schiffsführung, wie wir tags darauf bemerken, als sie einen Zweimaster gekonnt von der Werft ins Hafenbecken manövrieren und festmachen.

Wir beschließen, hier eine Woche zu bleiben, zumal wir noch über volle 30 Tage Guthaben in K&G Marinas bis zum Ende unseres Jahresliegevertrages mit der Gouvia Marina auf Korfu verfügen. Diese Regelung gibt es schon seit 2010 und gilt nur für alle privaten Jahresliegeplatzhalter in den Marinas Gouvia, Lefkas, Kalamata und Zea. Die direkte Umgebung des Hafens ist zwar nicht so toll, aber ein kurzer Marsch durch den zum Stadtpark umfunktionierten alten Bahnhof mit Dampflokomotiven als Freilichtmuseum führt in das pulsierende Zentrum dieser durchaus schönen Universitätsstadt mit hunderten Cafes, Tavernen, Geschäften und überaus gut sortierten Supermärkten.

Wir sind insgesamt beeindruckt, über Fülle und Vielfalt an Geschäften, erledigen etliche Besorgungen, und freuen uns über den Komfort, wieder alles in nächster Nähe zu finden. Auch unsere Genua lassen wir hier um €80 (!!) ausbessern, die Nähte der UV- Protektoren und der Lieken hatten sich aufgelöst, und in den uns bevorstehenden, noch windreicheren Gebieten, wollen wir nicht riskieren, dass sie sich in Fetzen auflöst. Lucy, die Segelmacherin, ist eine sympathische Engländerin, die hier hängen geblieben ist, weil es ihr hier so gut gefällt.

Der charmanten Einladung der Beamtin Georgia des Hafenamtes, das gleich neben der Marinarezeption eine Außenstelle betreibt, vor Auslaufen für Crewliste und Stempel ins Cruising Permit in ihrem Büro zu erscheinen, leiste ich natürlich Folge. Danach gehe ich noch auf einen Cafe Frappe, einer erfrischend kühlen, griechischen Kaffeespezialität, ins Skipper Cafe, mit Blick über den Golf und das Taygetos Gebirge und stelle fest, dass hier offensichtlich eine auffallend hohe Dichte an sehr hübschen Messenierinnen besteht, die ebenso freundlich wie zuvorkommend sind. Auch entlang der Flaniermeile Kalamatas, am Strand im Osten der weitläufigen Bucht, wo Tag und Nacht das Leben pulsiert, findet man diese Annahme bestätigt.

  

Nach dieser Woche mit viel Programm und Einiges an Arbeiten, laufen wir wieder aus, um das südlichste Kap des Peloponnes zu runden, um in Porto Kayo vor Anker zu gehen. Kaum haben wir Kap Tainaron dwars, kommt uns ein Segler mit Sturmfock entgegen, und der lakonische Golf zeigt sich mit starkem Seegang und hohen, brechenden Wellenkämmen, obwohl der Wind anscheinend erst vor kurzer Zeit eingeschlafen ist. Ich vermute, dass der inzwischen schon starke Meltemi aus der Ägäis über die Halbinsel Elos den Lakonischen Golf so aufrührt, das wir hier die paar Meilen nach N Hochschaubahn fahren müssen, die aus NE anrollenden Brecher in stumpfem Winkel hoch, um keinen Querschläger abzubekommen, und an deren Rückseite in spitzem Winkel, wieder runter, um dem Ziel näher zu kommen. In die umtoste Einfahrt von Porto Kayo rollen wir auf brechenden Wellenkämmen, und sind froh, einen einigermaßen erträglichen Ankerplatz vor dem Ort nach der wie ein Wellenbrecher wirkenden Landzunge zu finden. Dünung steht allerdings trotzdem in die nach NE offene Bucht, und wenn dann eine NW Böe von den Bergen der Mani herunterbläst, drehen wir uns am Anker quer zu dieser, und in allen Schapps und Schränken klappert und scheppert es, wenn wir uns von einer Seite auf die andere legen. Nachts legen wir uns quer mit Polstern an der Seite in die Kojen, um nicht hin und her zu purzeln wie die Semmerln im Bäckerwagen. Am nächsten Morgen zeigt sich der Lakonische Golf spiegelblank, aber die Wetterberichte warnen wieder vor starkem Meltemi.
Da wir auch irgendwann wieder nach Hause müssen, und für die folgenden Ziele genügend Zeit haben möchten, beschließen wir, unser Schiff in Kalamata zu lassen, wohin wir auch wieder zurück segeln um Utes Geburtstag zu feiern.  Wir bleiben noch etwas über eine Woche in Kalamata, wo es nun schon über 40° heiß wird, und buchen einen günstigen Heimflug.

Wir rechnen die übrigen Guthabentage in der Marina ab und schließen für danach einen Jahresliegeplatzvertrag ab. Uns gefällt die unspektakuläre Schönheit dieses Reviers, und dass hier noch nichts vom Massentourismus beeinträchtigt ist. Auch die wenigen Segler, die man trifft, sind meist Fahrtensegler. Nach hier unten verirren sich kaum Charteryachten oder Flottillen. Von hier aus können wir nun Törns am Peloponnes, in der Ägäis und vielleicht auch nach Kreta segeln, wobei die Erreichbarkeit per Flug während des ganzen Jahres gewährleistet ist. Da der Flug Athen-Wien am Morgen startet, fahren wir am Vortag drei Stunden mit dem Bus nach Athen, wo wir einen netten Abend bei Freunden, Lena und Panos, verbringen. Kalamata erreichten wir im Herbst sogar wieder direkt per Flug ab Wien, wir werden weiter in diesem Revier segeln und darüber berichten.