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ASYC - die Apollonia Sailing Yacht Crew!

Piräus - Epidaurus - Kap Sounion - Kythnos - Syros - Paros - Sifnos - Kalamata (2014)

Ende August kommen wir zurück nach Zea Marina, bunkern Vorräte, reinigen den Loggengeber und brauchen etwas Zeit, um uns wieder an die Hitze zu gewöhnen, die in der von hohen Gebäuden kreisförmig gesäumten Marina herrscht, wir freuen uns auf die See! Nach einem Grillnachmittag in Voula, Varkiza, laufen wir wieder mal nach Poros aus, wo wir mit  SY Binada verabredet sind, Diesel bunkern und eine Kaltfront mit Gewitter abwettern. Die Abkühlung tut gut und wir segeln zwei Tage später gemeinsam nach Agkistri in eine Badebucht, die wir als Zwischenstopp nach Archaia Epidauro gewählt haben. Segeln im Saronischen Golf ist entspannend und schön, die Distanzen zu den vielen möglichen Zielen kurz. Hier sind natürlich zu dieser Jahreszeit sehr viele Yachten unterwegs, aber da wir am früheren Nachmittag einlaufen, finden wir zwei schöne Liegeplätze und besichtigen am kommenden Morgen das Asklipieio Epidauro mit dem berühmten Theater, in dem die steinernen Sitzreihen, die Form eines Parapolspiegels bildend, den Schall aus dem Zentrum verstärken, und mein Gesang von dieser Stelle homerisch bis in die letzten Reihen trägt.

Nach einem Bier in der Taverne besichtigen wir die weitläufigen Anlagen und Ausgrabungen. Die Massen Touristen, die uns am Rückweg begegnen, begrüße ich mit den Worten „alles kaputt, lohnt sich nicht!“ – what says the man? – „All destroyed, nothing really to look for!“. Die Touris glauben, ich meine das ernst und wir haben unsere Not, nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Nachmittags, zurück an Bord, legt sich die SY Seven Seas, Robert und Veronika, Österreicher am Beginn ihrer Weltumseglung, neben uns und wir plaudern angeregt über Ausrüstung, Solar- und Windenergie. Die haben schon den neuen MPP-Regler für die Solarmodule, den ich beim nächsten Umbau (Solarpanele 2.0) einbauen werde. Es beginnt zu regnen und während wir in der Taverne Fisch essen, Jörg von der SY Binada nennt ihn immer noch hartnäckig WAPI, wie die griechischen Schriftzeichen für Psari eben aussehen, beginnt es so richtig zu schütten und wir kommen pitschnass an Bord. Nach dieser Woche gemeinsamen Segel-, Bade- und Kultururlaubes verabschieden wir uns am nächsten Morgen, da es bereits September ist und wir ja noch in die Kykladen wollen und segeln bei NE 3 direkt nach Kap Sounion, wo unser Anker in der weitläufigen Bucht direkt unter dem Poseidontempel fällt und uns der Wind schön mit der Kette in Kiellinie hält.

Ein Bayer kommt längs und fragt, wo mein Anker liegt. Ich: ca 50m Voraus, 60m Kette. Er: Ja, auf wieviel Uhr? Ich: äh, wenn mein Bug 12Uhr ist, dann auf 12 Uhr +/- eine Stunde, weil wir ja ein bisschen hin- und herschwojen, aber ich habe auch erst vor 10 Minuten hier geankert und der Wind kommt schon seit Stunden aus NE. Worauf er seinen Anker knapp hinter meinen setzt und natürlich zu nahe an Bb zu liegen kommt. Ich frage, warum er seinen Anker nicht Bb dwars gesetzt hat, Platz ist massig vorhanden, dann bräuchte er jetzt nicht wieder ankerauf gehen? Worauf er seine Fender auspackt und meint, wir hätten doch sicher nichts dagegen ein wenig zu kuscheln, seine Ankerwinde sei defekt und er müsste manuell winden. Ich mag die Bayern, daher gab ich ihm in charmantesten Wienerisch zu verstehen, dass er a) 5 kräftige Leute an Bord hat und b) ich seine Probleme nicht zu meinen machen und ruhig schlafen möchte, was der Skipper der SY Shalimar dann auch so sah und weit über 50m neben uns auch schönen Ankergrund fand. Hatte ich eigentlich das Thema Herdentrieb auf See schon erwähnt?

Wir frühstücken in der Bucht, genießen das Ambiente unter dem Poseidon Tempel und warten auf das Einsetzen des moderaten Meltemis, der uns nach Kythnos bringen soll. Zwischen Makronisos und Kea verstärkt sich der NNE und wir segeln um die Halbinsel Louka auf Kythnos, um in der Fykiada Bucht hinter der Sandbarre vor Anker zu gehen. Wir sind zum ersten Mal in diesem Revier und haben den Sommer über die Sea-Guides von Kapitän Nicholas Ilias, im Verlag Eagleray erhältlich, die besten Handbücher mit Detailkarten für Griecheland, ausgiebig studiert.

Die Nächte sind sternenklar und mild, tagsüber ist es sommerlich heiß, aber mit geringer Luftfeuchtigkeit, wir erfreuen uns an der archaischen Schönheit der Insel und unternehmen Ausflüge auf die umliegenden Hügel, die von der Nähe betrachtet dann doch nicht so karg, sondern mit üppiger Vegetation überzogen sind. Nachmittags, in der Taverne Kolona, lädt uns ein griechisches Paar- You are from Austria? You like it here? - We love it, we cruise the whole season in Hellenic Seas -  spontan auf ein Bier ein.

Wir bestellen Fisch und Lamb & Briam fürs Abendessen und schwimmen noch eine Runde. Das Abendessen ist dann sehr gut, aber auch etwas eigenwillig, da mein Fisch zwar geschuppt und gegrillt, aber nicht ausgenommen ist. Da ich nicht weiß, ob das hier vielleicht traditionelle Zubereitung ist, und da ich mich nicht als Unwissender outen möchte, räume ich den Fisch kurzerhand aus und stelle fest, dass er trotzdem absolut genießbar ist.
Der Sonnenuntergang gestaltet sich glutrot, im Westen ist alles schwarz und es bläst mit 4bft. Zum Abschied schenken wir Maria eine Schachtel Mozartwürfel, die wir meist als Giveaways dabei haben und erhalten dafür gleich ½ Kilo frischen Ziegenkäse von Georgos. Nach Rückkehr an Bord schnarche ich im Cockpit…
Wie immer, hängen wir einen Tag an und baden, schreiben e-mails und lassen uns treiben.  Die Internetabdeckung in den Kykladen stellte sich übrigens als außerordentlich gut heraus, was speziell für Wetteranalysen verschiedener Dienste von unschätzbarem Vorteil ist.
Wir haben unser Bord-Wlan mit einer von zwei Sim Cards von Wind mit 5GB/30Tage bestückt, damit wir unterwegs, sollte das Datenvolumen aufgebraucht sein, wechseln können, da diese Prepaid Karten jeweils erst nach 30 Tagen wieder aktivierbar sind.
Einem Spanier, dem der Benzin ausging, schenken wir 1l Treibstoff, damit er mit seinem Dingi zum Schiff zurück kommt, - manchmal wundert man sich schon - und das in den Kykladen, wo man auf sich allein gestellt ist!

Früh morgens gehen wir ankerauf, segeln bei N4 rund Kap Kefalos und können das N-Kap von Syros bei Halbwind anliegen. Der trockene und kühle Meltemi ist eine willkommene Abwechslung zur feuchten Hitze der vergangenen Wochen und wir ziehen sogar unsere Softshells an und ich setze nach langer Zeit wieder einmal meine Fischer-Strickmütze auf!

Das ist Segeln mit dem ganz großen Löffel. Noch vor dem Kap Kaloyeros müssen wir dann sogar die Maschine anwerfen, um entlang der Ostküste Syros‘ nach Ermoupoli, Hauptstadt und Verwaltungssitz der südlichen Ägäis, zu gelangen.

Die neue Marina, nie in Betrieb gegangen,  ist leider schon verfallen, Laternen verrostet, Tankstelle aufgegeben, und die Stege eine Fehlplanung, weil viel zu knapp aneinander. So können Yachten nur längsseits anlegen, was, wie in vielen ähnlichen Anlagen, jede Menge Gammel anlockt, der dann dort ebenso vor sich hin rottet, wie alles andere. Es ist schade um diese eigentlich schöne Ecke des Hafens, die aber zumindest von kleineren Fischer- und Motorbooten genutzt wird.

Im Notfall könnte man an der aufgegebenen Tankstelle anlegen, die möglicherweise auch besseren Schutz als die unter-dimensionierten Wellenbrecher und Hafenmauern bieten würde. Im Haupthafen gibt es an der Promenade Elektroböcke mit Wasser, aber hier anzulegen würde ich niemanden empfehlen, weil die Fähren derartigen Schwell verursachen, dass es selbst für große Yachten gefährlich ist. Eine Amel Super Maramu lag dort in gebührendem Abstand vor Anker, ein Dingi zwischen Heck und Hafenmauer, hochgezogene Gangway, und den Radierer hat‘s gewuzelt wie einen alten Fender und die Gangway ist, obwohl 1m hoch gezogen, nur so an den Kai geknallt.

Ohne dies alles im Vorhinein zu wissen, hatten wir uns für einen Liegeplatz hinter der Werft an der Außenmole des alten Fischerhafens entschieden. Die Umgebung ist zwar nicht so prickelnd, aber die Aussicht schön, gar nicht laut und fast kein Schwell. Außerdem ist es nicht weit in die Stadt und die Fischer sind ohnehin überall so freundlich, die anerkennen uns Segler, die wir in dem doch anspruchsvollen Revier unterwegs sind, eher als gleichwertige Partner, als das anderswo der Fall ist.

Wir bleiben drei Nächte und besichtigen Ermoupoli ausgiebig, versorgen uns aus dem nahegelegenen Supermarkt, fahren mit dem Einkaufswagen direkt an den Kai und kaufen beim Kiosk Magnetstreifenkarten für den Stromkasten, um wieder einmal voll zu laden und mit Strom urassen zu können! Die Fischerkneipe wird unsere Stammtaverne, und sofort werden wir, wie überall sonst auch, wie alte Freunde behandelt. Die Stadt selbst, der Markt, die Kafenions in den mit Bouganvillen umrankten alten Häusern, versprühen mediterannes Flair, das glattgeschliffene Straßenpflaster und die Palazzi erinnern an Split oder Trogir, nur dass man hier keine 85 Euronen für Längsseitsliegen in der Hafenbrühe abdrückt - NADA!

Geht’s noch besser? Ja. Wir laufen mit Ziel Paros aus. Den Franzosen, der mit Motorschaden an uns Stb längs gegangen ist, fädeln wir beim Ablegemanöver so aus, dass er sich mit seiner Bugleine hinter unserem Heck an den vorderen Poller verholen, und so unseren alten Platz übernehmen kann. In der Ägäis geht alles irgendwie stressfrei und entspannt. No Problem. Der Satz ist in Griechenland Programm, und deshalb lieben wir es hier auch so.

Die 28sm in die Ioannis Cove auf Paros segeln wir bei NNE4-5 raumschots in 5½ Stunden. Die sehr weitläufige Naousa Bay besteht aus 4 Buchten in jeweils einem Quadranten, so findet man hier Schutz gegen praktisch alle möglichen Winde und Wetterlagen. Hier herrscht wieder absolute Ruhe bis auf den Wasserskisport und Bootsverleih im NW der Bucht, was aber in Anbetracht der Größenverhältnisse hier nicht stört. Ich schwimme an Land zu einem Erkundungsgang und finde einen herrlichen Aussichtspunkt von der Kapelle über die ganze Bay. Es gibt auch eine Pier, an der kleine Fährboote, die von der Stadt Naousa übersetzen, festmachen. Hier lassen wir am nächsten Tag unser Dingi und nehmen ein Fährboot, um diese hübsche Stadt zu besuchen, die sich so einladend präsentiert, dass wir gerne länger bleiben möchten.

Wir schauen uns die kleine Marina an und sprechen mit dem Chef, einem ehemaligen Lotsenkapitän, der 11 Jahre in Frankfurt gelebt hat und perfekt Deutsch spricht, was er aus bestimmten Gründen nicht sofort zu erkennen gab. Wir verstehen uns sofort gut, und vereinbaren für den nächsten Tag, uns per VHF zu melden. Nachdem die ersten Yachten den vollen Hafen verlassen haben, gehen wir ankerauf und machen vierkant hinter der Hafenmauer fest. Alle Liegeplätze haben zwei Mooringleinen, Strom und Wasser werden nach Verbrauch abgerechnet. Der Chef Cptn. Ioannis weist uns perfekt ein, nimmt selbstverständlich erst Achterleinen zum Belegen und übergibt danach die Moorings. Der Mann ist Kummer gewöhnt und führt als neuer Pächter und Betreiber die Marina sehr verantwortungsvoll. Unvorbereitete oder unbedarfte Yachten verweist er nach ein bis zwei Fehlversuchen auch schon mal in eine der sicheren Ankerbuchten. Er will keine Schäden, verursacht durch Skipper, die Bug voraus einlaufend, im engen Hafenbecken manövrierend, vom Meltemi verblasen werden und dann in Mooringleinen und Bugkörben hängen bleiben. Am Fähranleger ist genügend Platz, eine Yacht für Achterausfahrt in die Marina zu drehen.

Die Tagesliegegbühr ist mit € 1,70 pro Meter moderat, 100l Wasser kosten wie  1kwH Strom 1€, Duschgebühr 2€, WC Benutzung frei. Ein Jahresliegeplatz käme auf € 120/m das gibt’s auch! Wir bleiben fünf Tage, zumal sich der Meltemi inzwischen auf satte 6-7 Bft eingeweht hat. Ausserdem können wir trockenen Fußes unsere Fahrräder anlanden und die Umgebung erkunden, was mit dem Radierer durch die Bucht eher nicht so komfortabel gewesen wäre.

Wir radeln kreuz und quer durch Naousa, besichtigen das römische Kastell, die Kirche, alle Buchten und die wunderbaren Kolympithres, eine erodierte, lavasteinähnliche Landschaft, deren Entstehung bis heute nicht klar ist und wissen gar nicht, in welche der zahlreichen typisch ägäischen Tavernen wir zuerst einkehren sollen. Da es schon Mitte September und die Haupturlaubszeit der Griechen vorbei ist, sind die meisten Lokale schon weniger frequentiert, was uns leid tut, zumal sich die Betriebe allerorts intensiv um das Wohl der Gäste mit Qualität auf hohem Niveau bemüht zeigen.

Täglich bringt die Fähre einige wenige neue Urlauber und nimmt Abreisende wieder an Bord, ein Kreuzfahrtschiff ankert in der Ioannis Cove um abzuwettern und Naousa ist für 3 Stunden überfüllt, aber diese Art Tourismus ist sicher auch nicht das, was die Tavernenbetreiber sich wünschen, aber sicher auch besser als gar nichts. So versuchen wir zumindest in unserem Rahmen, die Gastronomie nach bestem Wissen und Genüssen zu unterstützen. Nachdem der Meltemi sich gelegt hat, segeln wir aus der Naousa Bay, um nach dem Kap Korakas die Maschine zu starten. Es ist das erste Mal, dass wir in der Ägäis null Wind haben und so dampfen wir nach Sifnos, wo wir in der Platis Gyalos eine ebenso neue und gepflegte Privatmarina vorfinden, wo wir wegen der Namensgleichheit unserer Yacht mit der Hauptstadt Apollonia sofort herzlich willkommen geheißen werden.

Wir besuchen die Stadt Apollonia in den Bergen per Bus und sind froh, hier sicher zu liegen und den durchziehenden Trog abwettern zu können. Innerhalb von 12H wechselt der Wind von SW7 auf NE7 und der Baro beginnt wieder zu steigen. Wir lernen eine nette Crew kennen, mit denen wir gut Fisch und Seafood essen gehen.

Das Wetter beruhigt sich, aber wir haben nur ein Wetterfenster von 48H, bis der Meltemi wegen eines sich ausprägenden Tiefs über Zypern wieder voll startet, was für diese Jahreszeit eher untypisch ist. Auch der Hafenmeister rät uns abzuhauen, wenn wir hier nicht die nächsten 8 Tage bei Fallböen eingeweht sein möchten.

So laufen wir am 24.9. um 14:30h aus und segeln bei NE 4-5 Richtung Antimilos. Hier schläft der Wind ein und ein leichtes Erdbeben verursacht einen Steinrutsch mit aufsteigender Staubsäule. Wir motoren weiter durch die Nacht auf Kap Maleas zu, um die Hauptschifffahrtsroute zu kreuzen. Um in Übung zu bleiben, schalte ich das Radar ein und versuche die Dünung herauszufiltern. Um 06:30h haben wir bereits Spathi, N-Kithira Bb Dwars und der Schiffsverkehr nimmt merklich ab. Ich schlage uns Eier mit Schinken in die Pfanne, worauf eines gleich wieder heraushüpft, koche Kaffee und nach dem Frühstück übernimmt der erste Maat Ute die Wache. Nach insgesamt 160sm erreichen wir am 25.9. um 17:30 Kalamata, weil wir, wenn schon, dann gleich die ganze Strecke zurücklegen und uns nicht mehr um das Wetter scheren wollen.

Die nächsten Tage gab es dann auch Gale Warnings für die Ägäis bis zu 9bft und Regen mit Sturmböen in Kalamata, wo wir später unseren 13. Hochzeitstag feiern und endlich auch mal einen Ausflug nach Ancient Messene mit dem Asklepieion, dem Stadion und vielen archäologischen Grabungen unternahmen. Da wir uns in Kalamata wie daheim fühlen, verbringen wir auch hier noch schöne Tage mit Freunden, Arbeiten an Bord, Einwintern und Heimreisevorbereitungen.