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ASYC- Apollonia Sailing Yacht Crew

Revierinfo Korfu - Gouvia Marina (Herbst 2015 - Frühjahr 2016)

Nach zwei  Jahren Ägäis wollten wir 2015 wieder mal ins nordionische Meer, alte Freunde treffen, und um dem vielen Seglern innewohnenden Heimweh nach bereits bekannten Orten nachzugeben.  Im Vergleich zu 2012, als wir dieses Revier verließen, hat sich doch einiges verändert. Die Marina Gouvia, eine der Schönsten im Ionischen Meer, wurde von Grund auf renoviert, und die Preise sind seither nicht wirklich gestiegen. Natürlich wirkt das für die leidgeprüften Adriasegler wie ein Magnet, entsprechend voll ist die Marina auch mit „Flüchtlingsyachten“ aus der Adria, wo man noch immer 20% bis 50% mehr, und das bei vergleichsweise niedrigem Standard und Komfort, bezahlt.

Die Sanitäranlagen und Waschräume wurden geschmackvoll und trotzdem zweckmäßig renoviert und modernisiert, die Blue Bar, eine von vielen Cafes und Restaurants im Marinagelände,  wird wieder vom früheren Betreiber geführt, das Gebäude wurde mit einem Durchbruch versehen, was den Blick in beide Richtungen freigibt, und zusätzliche Sitzkapazitäten an der Baraußenseite entstehen ließ. Hier trifft man sich, da wird international geklönt, erfährt  den neuesten Tratsch, und holt seine Gäste in maritimer Atmosphäre bei dem einen oder anderen Welcome-Beer zum Segeltörn ab.

Wir haben uns jedenfalls spontan entschieden, hier wieder mal einen Jahresliegeplatz zu nehmen, und ein paar Törns mit Freunden, die nicht so die Hochseecracks sind, zu unternehmen, was uns allerdings auch die Schattenseiten der maritimen Erschließung dieses Reviers in den letzten Jahren spüren ließ: Die Charterbasen und -Flottillen haben sich fast verdoppelt, viele Eigner verlegten zusätzlich ihre Yachten aus dem inzwischen grotesk überteuerten Mittelmeerraum und der Adria hierher, und durch diverse gesetzliche Maßnahmen kamen auch viele wieder aus der Türkei zurück, was mich wiederum veranlasst, 2016 zurück in die Ägäis, den Peloponnes und Kreta zu segeln.

Wen wundert’s, dass inzwischen auch die K&G Medmarinas Kette, in die sich die türkische D-Marin eingekauft hat, sich dem expansiven Markt anpasst: Die durchaus angenehme Regelung als Jahreslieger für 30 Tage pro Jahr in allen angeschlossenen Marinas gratis liegen zu dürfen, wich einer 40% Rabatt-Regelung, die sich, verglichen mit Adriagebräuchen, noch immer wohlfeil anfühlt. Zudem ist es auf Grund des regen Andrangs bei Weitem nicht mehr so leicht, einen Liegeplatz zu bekommen, wie das vor ein paar Jahren noch der Fall war, wo man sich noch selbst einen aussuchen konnte.
Dafür ist  der gemietete Platz dann aber zumindest immer frei, und wird nicht doppelt und dreifach verhökert, wie bei  unseren kroatischen Freunden, wo man sich beispielsweise bei ACI vertraglich mit derartigen Doppelbelegungen explizit einverstanden erklären, und dann dafür auch noch schlappe 7000 Eumel für einen 12m- Jahresliegeplatz abdrücken muss! Leider erfährt dieses wunderbare Revier , auch wegen verhältnismäßig geringer Aufschläge für Mehrrümpfer, bzw. der teilweisen totalen Absenz von Hafengebühren, was ja  de facto ein Irrsinnsvorteil gegenüber andern Revieren ist, eine extreme Verhüttelung auf See. Entsprechend gestaltet sich der Ausblick, wenn man morgens an Deck geht, um seinen Kaffee in frischer Luft zu genießen, rundum nur Plastik sieht.

Eine Chartercrew erzählte mir, dass sie eigentlich nur segelten, weil’s billiger und prickelnder als eine Herberge sei, und das, obwohl das Odor in den Häfen wegen massiver Überbelegung an Bord und/oder mangels entsprechender Fäkalientanks oder deren konsequenter Nichtbenutzung eher an eine Güllegrube als an die See erinnert. Dazu kommen die immer noch breiteren schwimmenden Massenquartiere zur See, die an Hässlichkeit nicht zu überbieten sind, und auf denen sich immer mehr nautisch desinteressierte Badegäste taddelnd hinter Smarties oder e-books dem Geschehen entziehen. (Oft frage ich mich, warum die eigentlich nicht zu Hause bleiben?)

In einem Hafen warnte ich einen neuen Nachbarn vor dem Schwell der Fähre, wodurch es angemessen sei, genügend Platz nach achtern zum Steg zu halten, und die Gangway hochzuholen, damit diese nicht den dort neu montierten Elektrobock zerstört, oder aber auch das Heck der Yacht – „whatever comes first and lasts least“, was auch gleich von Skipper angeordnet, und von der Crew perfekt umgesetzt wurde. Kurz darauf kam dann auch die Fähre, und der Schwell rockte die Schiffe, alles gut, nur das Buch, mit dem ein Leintuch gegen die Sonne am Bimini belegt war, plumpste in den Bach. Die darauffolgenden Bergeversuche der Crew, die wertlose Belletristik mittels Bootshaken zu bergen, unterbrach ich wortreich - nicht um besserwisserisch aufzutreten, sondern um zu verhindern, dass das Hafenhandbuch, mit welchem der andere Zipfel des Leintuches am Bb-Ende des Biminis belegt war, dem Simmel in die Hafengülle folgt.  „…haben wir nicht gewusst, war ja kein Wind…“ Uff.

Trotzdem ist es immer wieder schön - obwohl oder trotzdem so zahlreicher Zustrom herrscht, an dem ich, wie viele andere auch, sicher nicht ganz unschuldig bin, und ich kann dieses wunderbare Segelrevier noch immer empfehlen.

Nützliche Informationen, Einklarieren, Hafengebühren etc.

Stempeln gehen in Griechenland

Wer zum ersten Mal in griechische Gewässer kommt, benötigt ein Cruising Permit (Deltio Kinissis), welches für EU-Yachten 29€ kostet, und solange gültig, bis es vollgestempelt oder abgelaufen ist.

Ich musste meines aus 2006(!) zu Saisonbeginn 2015 in Kalamata erneuern,  wobei ich erst aufs Finanzamt musste, um den Betrag zu entrichten und mit der Quittung dann am Schalter für Marineangelegenheiten das leere Permit erhielt, mit welchem ich dann zum Hafenamt musste, um dort alle Daten einzutragen, ab- und einstempeln, Crewliste anzulegen, Patente vorzuweisen, und die entsprechenden Versicherungsnachweise zu erbringen. Achtung: es ist unbedingt die griechische Fassung  erforderlich, obwohl die darin erforderlichen Mindestdeckungen viel niedriger angegeben sind, als in den meisten internationalen Versicherungszertifikaten, also am Besten schon vorher vom Yachtversicherer anfordern oder per e-mail oder Fax nachsenden lassen, was meist mit Wartezeiten einhergeht.

Seit 2015 gilt die Stempelpflicht, also das Melden in jedem Hafen, auf jeder Insel, bei Ankunft und Abreise, nun nicht mehr, da es ohnehin kaum jemand befolgt hatte, und der administrative Aufwand nicht mehr bewältigbar wäre. Lediglich zu Saisonbeginn muss man die Gültigkeit (kostenlos, wenn man griechische Gewässer nicht verlassen hat) durch einen neuen Stempel für ein Jahr verlängern, oder natürlich auch wieder aus- bzw einstempeln, wenn man die griechischen Gewässer verlässt bzw wieder betritt. (Ein- und Ausklarieren, auch für EU Yachten!) Nicht EU-Yachten zahlen einen wesentlich höheren Betrag für ein nur begrenzt gültiges Permit mit limitierter Aufenthaltsdauer. Das wird in Zukunft unsere unter britischer Flagge segelnden Freunde (BREXIT) betreffen!

Hafenamt Korfu, neuer Hafen

Der Hafen für die Groß-Schifffahrt in Korfu wurde komplett erneuert und erweitert, und ist für kleine Yachten wenig geeignet und oft von etlichen Kreuzfahrtschiffen belegt.  Der meist überfüllte „Old Port“ wurde sogar verkleinert und bietet nur mehr für 2-3 Yachten hinter dem Wellenbrecher Platz, der Rest ist mit Fischern und Ausflugsbooten belegt. Dafür wurde das neue Hafenbecken gleich östlich des „Old Ports“ fertiggestellt, in dem man vor Buganker mit Heckleinen an grossen Pollern festmachen kann. Von dort ist es ca 10 min zu Fuss zum Hafenamt, das gleich hinter dem Großen Hafen liegt. In diesem neuen Hafen liegt man gratis, dafür aber mit erheblicher Geruchsbelästigung durch einen Abwasserkanal in den Hafen, sehr nahe am Zentrum.
In der Saison betreibt das Hafenamt eine Dependance in der Gouvia Marina, was die Behördenwege verkürzt, hier kann man Crewlisten ausfertigen und natürlich ein- und ausklarieren. Für ein neues Permit wird man allerdings auf das oben beschriebene Prozedere verwiesen, also Gebühr entrichten, Permit holen, etc. Von der Gouvia Marina ist das Hafenamt allerdings etwas weit, man erreicht es am besten per Bus oder Leihwagen/ Moped.

Yachtsteuer in Griechenland

Die oft angekündigte, vor zwei Jahren per Gesetz festgelegte Yacht- und Schiffssteuer wurde auch in der vergangenen Saison wegen Undurchführbarkeit nicht umgesetzt und wird es wahrscheinlich auch in dieser Saison nicht. Die Gründe zu erörtern würde den Rahmen sprengen, aber es wäre in jedem Fall unverhältnismäßig gewesen, die kleinen Fischer hätte es am meisten getroffen und die Megayachten hätten sich einen Ast gelacht.  Wenn Berufspolitiker anfangen zu denken...

Hafengebühren in Griechenland

Marginal. Vernachlässigbar. Mehr kann man dazu kaum sagen. Und bitte: erklären Sie, lieber Leser, bei Ihrem Besuch in Hellenic Seas den Einheimischen nicht, wie man da abkassieren könnte, wenn man nur etwas die Infrastruktur ausbauen und mehr Mooringleinen ausbringen würde. Das geschieht teilweise sogar, leider gibt es aber auch etliche Bauruinen, weil Betreiber Pleite gehen, oder auch Investitionen fehlgeplant werden. (Ich erinnere an der Stelle gerne an diverse Flughafen- und Konzerthaus Projekte)

In den meisten Häfen wird gar keine Gebühr eingehoben, in einigen zahlt man etwa 8-12 Euro. Manchmal ist der Liegeplatz gratis und wird nur für Strom pauschal abgerechnet, einige verwenden Magnetstreifenkarten, die man beim Kiosk kaufen kann, um Strom zu nehmen, in vielen ist Wasser gratis. Vorsicht vor selbsternannten Inkasso-Agenten, das sind meist nur kreative Abkassierer.

Siehe auch Törnbericht „Korfu-Kalamata

Für Ankern wird in Griechenland generell nichts berechnet, ich kenne auch kein einziges Bojenfeld. Derartige Yachtabzocke kennen wir aus andern Revieren nur zur Genüge.

Empfehlenswert ist die entsprechende  Ausrüstung der eigenen Yacht mit Solarpanelen, Windgenerator etc., um die Weiten der griechischen Gewässer und vielfältigen Inseln unabhängig genießen zu können. Wir sind mit unserer SY Apollonia II oft viele Wochen ohne Marina unterwegs, mit Lebensmitteln versorgen kann man sich überall auch per Beiboot, die nötige Elektrizität erzeugen wir selbst.  

Siehe auch Technikbericht:  „Solarpanele 2.0“ (Erschienen in Palstek Ausgabe 4/16 am 30.06.2016)